Von der Bühne für die Bühne – heute: Reaktionspause
Einer der häufigsten Bühnenfehler passiert ausgerechnet nach einem guten Satz: Der Redner spricht sofort weiter.
Eine Pointe funktioniert. Ein überraschender Gedanke landet. Eine Zahl sorgt für hörbares Raunen – und schon kommt der nächste Satz.
Damit nehmen wir dem Publikum genau das, was es jetzt braucht: Zeit für eine Reaktion.
Auf der Bühne gibt es nämlich zwei verschiedene Arten von Zeit. Die Zeit, die wir zum Sprechen brauchen. Und die Zeit, die das Publikum zum Verarbeiten braucht. Wer beides gleichsetzt, ist fast immer zu schnell.
Aus dem Theater kennt man diesen Moment gut: Wenn eine Reaktion im Raum entsteht, gehört sie zur Szene. Wer darüber hinwegspielt, schwächt nicht nur die Reaktion, sondern oft auch den nächsten Satz.
Die Technik für Ihren nächsten Auftritt: Nutzen Sie nach einer Pointe, einer überraschenden Zahl oder einem starken Gedanken die Reaktionspause. Sagen Sie den Satz zu Ende – und tun Sie anschließend nichts. Nicht weiterreden, nicht nicken, nicht zur Folie schauen. Bleiben Sie präsent und warten Sie, bis die Reaktion des Raumes abklingt. Erst dann setzen Sie fort.
Das braucht anfangs Mut. Zwei Sekunden auf der Bühne fühlen sich für den Sprecher deutlich länger an als für das Publikum.
Solche Feinheiten in Timing, Präsenz und Publikumsführung entwickle ich mit Speakern, Führungskräften und Unternehmen in Coachings und Workshops.
Lassen Sie bei Ihrem nächsten Auftritt nach einem starken Moment die Reaktion des Publikums vollständig zu Ende kommen.
